Während die Bevölkerung europaweit über Temperaturen nahe 40°C und darüber ächzt, Urlaube in südeuropäische Touristengebiete wegen historischer Brände abgesagt werden, die Fleischindustrie in der Tagesschau über ihre Hitze- und Dürreprobleme bei der Fleischproduktion jammern darf, verschwinden im Verborgenen ganze Ökosysteme und deren Bewohner.
Besonders betroffen sind in Mönchengladbach die Feuchtgebiete auf staunassen Böden (sog. Pseudoglay) im Westen. Das größte und bedeutendste davon ist die “Bistheide” mit ihren rund 40 Tümpeln. Das sind ehemalige Flachsgruben, die noch bis ins letzte Jahrhundert hinein der Leinenherstellunge dienten und deshalb geschützte Bodendenkmäler sind.
Das ganze Areal steht unter Naturschutz, nicht nur deshalb, sondern weil die Tümpel das größe Amphibienvorkommen von Mönchengladbach und Umgebung beherbergen, immerhin 7 Arten.
So war es jedenfalls bis Anfang dieses Jahrhunderts, bis in den 10er Jahren der Klimawandel auch in Deutschland gnadenlos zuschlug. Seit etwa 10 Jahren sind diese Tümpel trocken zu einer Zeit, wenn die Larven sich entwickeln. Mit dem Ablaichen klappt es in regenreichen Frühjahren meist noch, dann ist Schluss – nicht nur für die Amphibien, sondern auch für alles andere Getier, das im Wasser lebt, z.B. Libellenlarven.
Das dürfte bundesweit in ähnlichen Feuchtgebieten, die sich alleine aus Niederschlägen speisen, nicht anders sein. Wenn der Nachwuchs über mehrere Jahre ausbleibt, dann erlischt die Population, denn die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Tiere liegt – in der Natur – bei 3 bis 4 Jahren. Ob sie die trockenen Sommer im Verborgenen (die meisten Arten sind nachtaktiv) überhaupt überleben, ist fraglich.
Dieser Artenschwund verläuft rel. unbemerkt und unsichrbar im Stillen. Interviews der Betroffenen in der Tagesschau sind nicht vorgesehen.
Pikant: Während auf der einen Seite der BAB die Fechtgebiete sterben, ist auf der anderen Seite ein großes Gewerbegebiet im Landschaftsschutzgebiet geplant. So sieht dann Klimaschutz real aus.
Hier einige Bilderstrecken zur Hintergrundinformation:
- die unmittelbar von Niederschlägen betroffenen Fechtgebiete in MG liegend unter den gelb dargestellten Flächen des Reuvertons und anderen wasserstauenden Schichten (Pseudogeye – grün dargestellt). Aber auch die grundwassernahen Gewässer (auf Gleyböden – blau dargestellt) in Mönchengladbach leiden unter der Trockenheit und Hitze.


- die betroffenen Amphibien, alle sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt:
- die aktuelle Situation in Beispielen
Wärend in der Bistheide alle Tümpel trocken gefallen sind, steht in einigen Flachsgruben in Sittard hier und da noch etwas Wasser. Beide Gebiete gründen auf wasserstauenden Schichten (Reuverton – siehe Grafik), die in Westen Mönchengladbachs und im Raum Viersen weit verbreitet sind und Niederschläge schlecht durchlassen. Deshalb wurden hier in der frühen Neuzeit die Flachsgruben angelegt, die heute wertvolle und vielorts die einzigen Rückzugsgebiete für Molche, Frösche und Kröten darstellen.

Wird diese Tonschicht durchstoßen, fließt das Stauwasser dort langsam in die darunter liegenden Kiesschichten und versickert. Das ist wahrscheinlich der Fall beim Bau der A 52 und A 61 unmittelbar neben der Bistheide geschehen, ein Umstand, der dem Bruchwaldrest bei Sittard (Bild rechts) erspart blieb.























