Rad(ikal)entscheidungen müssen sein, wenn Probleme zu lange ignoriert werden Abkehr von der Wachstumsideologie bedeutet nicht Steinzeit

Das gilt für alle Bereiche des Lebens. Wer Schmerzen im Unterleib zu lange ignoriert und nur die Symptome mit Schmerzmitteln bekämpft, muss schließlich unters Messer. Wer die Ölstandswarnung im Auto zu lange ignoriert, braucht dann bald einen neuen Motor. Wer die Warnungen der Bank, der Kreditrahmen sei ausgeschöpft, nicht ernst nimmt, landet am Ende in der Privatinsolvenz.

Zu verzeihen sind solche Konsequenzen nur, wenn es keine Warnungen gab. Wer sie, oft aus Bequemlichkeit, ignoriert, darf sich am Ende nicht wundern, wenn es dann sehr teuer und sehr unbequem wird. Ernste Probleme aussitzen, hat sich noch nie gelohnt.

Genauso ist es im Umweltbereich. Vor drohendem Klimawandel, Rohstoff-, Energie-, Nahrungs- und Wasserknappheit warnen Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Ebenso vor den Konsequenzen, wenn nicht gehandelt wird. Aber das alles schien weit weg. Das Phänomen der exponentiellen Entwicklung ist vielen fremd. Das hat sich gerade in der Pandemie bitter gerächt.

Wir haben es ausgesessen in einer Zeit, als man mit vielen relativ kleinen und noch wenig radikalen Maßnahmen hätte gegensteuern können. Nun wird es notgedrungen und zwingend teuer, sehr teuer und sehr unbequem. Die Horrorszenarien finden jetzt nicht mehr weit weg in der Dritten Welt statt, wo sie begannen. Man sieht sie vor der eigenen Haustür.

Wassernotstand, Einschränkungen des Trinkwasserverbrauchs, Vervielfachung der Energiekosten, Steigerung der Lebenshaltungskosten um ein Vielfaches der jährlichen Lohnsteigerungen, Verbot von Gasheizungen und Verbrennungsmotoren u.v.m.  Jede einzelne dieser Konsequenzen hätte noch vor wenigen Jahren zum Aufschrei in der Bevölkerung geführt. Als die GRÜNEN vor 30 Jahren einen Benzinpreis von 5 DM forderten, galten sie allgemein als Phantasten, als nicht mehr wählbar.

Jetzt kommt alles zusammen, wovor Wissenschaftler und Umweltschützer schon sehr lange warnen.

Es ist auch für das reiche Deutschland kaum anzunehmen, dass Investitionspakete in der Größenordnung von jeweils einigen zig Milliarden Euro für Pandemiefolgen, Aufrüstung, Gesundheits- und Pflegereform, Energie- und Verkehrswende, Abmilderung der Klimafolgen, Bekämpfung der Inflation in diesem Umfang überhaupt zu stemmen sind, ohne unser gesamtes Finanz- und Wirtschaftssystem zu ruinieren. Das gilt erst recht für Staaten und Bevölkerung, die finanziell weniger Spielraum haben.

Das Setzen von Prioritäten zu Lasten eines der anderen drängendsten und unaufschiebbaren Probleme verschärft und beschleunigt dieses in einer Weise, die dramatisch ist. Das wird nun langsam allen klar.

In Talkrunden, in Medien und Chats, erst recht unter Philosophen, Wirtschafts- und Politikwissenschaftlern wird nun unser gesamter auf Wachstum getrimmter Lebensstil des Schöpfens aus dem Vollen, als gäbe es kein Morgen, in Frage gestellt. Das ist so neu wie die Zuspitzung einer solchen Fülle an existentiellen Problemen auf einen Schlag, wie es derzeit geschieht.

Was wird geschehen in Deutschland? Auch das ist vorhersehbar. Demokratien, insbesondere die in Deutschland, sind auf Konsens und Wählerakzeptanz gebaut. Kaum ein Politiker hängt sich aus dem Fenster mit unbequemen Forderungen, solange andere noch zaudern und beschwichtigen. Man will ja keine Wähler verlieren. D.h., es werden in allen angesprochenen Problembereichen Kompromisse beschlossen, die die Mehrheit momentan für unabdingbar hält. Das ist nun zwar deutlich mehr, als noch vor 5 Jahren, aber sicherlich zu wenig, um katastrophale Folgen abzuwenden. Auch da ist sich die Wissenschaft weitgehend einig. Wir werden also höchstwahrscheinlich – inzwischen sehenden Auges – den Karren vor die Wand fahren. Mit Tempo 130.

Historiker kennen dieses allzu menschliche, weltweite Phänomen, das ja auch den Deutschen nicht ganz unbekannt ist/sein sollte.

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  • Bistheide im Mai 2017 - fast trocken

Auch in Mönchengladbach fallen die Gewässer trocken. Es trifft vor allem die Kleingewässer auf staunassen Böden (z.B. Naturschutzgebiet Bistheide) – und die fast alle. In den letzten trockenen Jahren fielen sie als Laichgewässer für u.a. Amphibien komplett aus. Die grundwasserabhängigen Feuchtgebiete werden überwiegend durch Sümpfungswasser stabilisiert (noch). Aber auch hier machen sich die fehelenden Niederschläge bemerkbar (z.B. ehemaliger Massenlaichplatz der Erdkröte im Hardter Wald, renaturierter Bungtbach).

 

 

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