In immer mehr Regionen Deutschlands wird das Grundwasser knapp. Auch in Nordrhein-Westfalen. Das ist das zentrale Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Untersuchung, die das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) im Auftrag des BUND durchgeführt hat, zeigt: In NRW herrscht in 32 Kreisen “Grundwasserstress”. Besonders betroffen davon ist die Niederrheinische Bucht. Ursache dafür sind die Grundwasserentnahmen zur Trockenlegung der Tagebaue. Jahr für Jahr werden dort etwa 500 Millionen Kubikmeter Grundwasser „gesümpft“ und überwiegend ungenutzt abgeleitet. Diese gigantische Menge entspricht in etwa dem 10-fachen Wasserbrauch der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Wertvolle Hinweise auf die Entwicklung der hiesigen Grundwasserstände, der Grundwasserneubildung auch in Anbetracht der Klimaerwärmung, des Sümpfungseinflusses und deren Auswirkugen auf unsere Feuchtgebiete gibt das Monitoring für das Rheinische Braunkohlerevier.
Dazu wurde ein Beobachtungs- und Bewertungssystem aufgebaut, um die Auswirkungen der Tagebautätigkeit und die Wirksamkeit aller Gegenmaßnahmen kontrollieren und gegebenenfalls optimieren zu können. Die durch das Monitoring gewonnen Informationen sind Grundlage für den Braunkohlenausschuss zur Entscheidung über die ordnungsgemäße Einhaltung des Braunkohlenplans.
Seit 1999 werden die Monitoringergebnisse in Jahresberichten zusammengestellt und veröffentlicht.
Wir beziehen uns auf die Jahresberichte 2023 und 2024 und stellen einige wichtige Ergebnisse hier kurz vor.
Auch die Arbeitsgruppe um das Monitoring stellt fest, dass Grundwasserstände und -neubildung in den lezten 20 Jahren im gesamten Gebiet tendenziell abnehmen.
“Es zeigt sich, dass die höchsten bislang beobachteten Grundwasserstände Ende der 1960er-Jahre auftraten und in dieser Höhe eitdem nicht mehr erreicht wurden. Die ebenfalls hohen Grundwasserstände der 1980er-Jahre korrelieren mit der hohen rundwasserneubildung in dieser Periode. Seit dem Jahr 2003 bleiben Grundwasserneubildung und Grundwasserstände fast kontinuierlich unter dem langjährigen Mittel.”
“Dieser generelle Trend der sinkenden Grundwasserstände lässt sich weitgehend an allen unbeeinflussten Grundwassermessstellen in Nordrhein-Westfalen (und in Deutschland) beobachten. Auch in den landschaftsökologischen Referenzgebieten sind diese Entwicklungen festzustellen.”
Dieser Trend, der dem anthropogenen Klimawandel geschuldet ist, wird von den Auswirkungen der Sümpfungen am Braunkohletagebau überlagert, der allerdings nicht das gesamte Untersuchungsgebiet betrifft.
In Mönchengladbach sind davon vor allem die Feuchtgebiete Güdderather und Wtscheweller Bruch, Niersbruch und ganz besonders das Finkenberger Bruch ganz im Süden begtroffen.
“Im Finkenberger Bruch kann der Grundwasserstand nicht gehalten werden, so dass Einleitungen die Wasserführung der Niers und die Wasserversorgung der maßgeblichen Feuchtgebietsabschnitte sicherstellen müssen.
Am Güdderather Bruch besteht wegen der besonderen geologischen Situation eine hydraulische Verbindung zwischen dem obersten und dem tieferen Grundwasserstockwerk. Deshalb tritt hier ebenfalls Sümpfungseinfluss auf. Auch hier reduzieren oberflächennahe Einleitungen die negativen Auswirkungen der Grundwasserabsenkung. In einem Teilbereich gelingt es bisher trotz gezielter Grundwasseranreicherung nicht, die Grundwasserabsenkung zu kompensieren, obwohl hier mehrfach zusätzliche Anlagen errichtet wurden. Allerdings befand sich in diesem Abschnitt auch schon vor Auftreten der Absenkung keine feuchtgebietstypische Vegetation, so dass Schäden nicht zu befürchten sind, solange nicht weitere Flächen unter Sümpfungseinfluss geraten. Diese Absenkung ist in geringem Umfang auch noch westlich der Bahnlinie im Wetscheweller Bruch anzutreffen. Hier war im Frühjahr 2023 eine Infiltrationsanlage hinzugebaut worden, so dass die gesamte Infiltrationsleistung am Güdderather Bruch etwas gesteigert werden konnte.”“Die Gebiete Finkenberger Bruch, Stadt Mönchengladbach und Scherresbruch, Kreis Heinsberg werden seit dem Jahr 2021 negativ (rot) bewertet. Ein weiterer Ausbau der Wassereinleitungen und -verteilungen scheint in beiden Gebieten angesichts des abgesenkten Grundwassers nicht mehr zielführend zu sein. Deshalb wird der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie empfohlen, Ausgleichs- und Ersatzverfahren für diese beiden Gebiete einzuleiten. Das Feuchtgebiet Finkenberger Bruch wird im Jahr 2024 von der RWE Power AG erneut auf Reste kleinflächig verbreiteter Feuchtwaldvegetation überprüft.”
Durrch Infiltration von Sümpfungswasser wird versucht, die sümpfungsbedingten Grundwasserabsenkungen an den ökologisch wertvollen und geschützten Feuchtgebieten aufzuhalten.
Da sich Sümpfungseinfluss und klimbedingte Nierschlagsderfizite vor allem in der Vegetationsperode überlagern, gelingt das an den Feuchtbeiten der Niers im Süden Mönchengladbachs schlechter als an den FFH-Gebieten im Westen der Stadt (Knippertz- und Hellbach sowie Mühlenbach). Aber auch dort lässt sich anhand der Kartierung von Indikatorarten, die auf Verschlechterung der Wasserverhältnisse empfindlich reagieren (Torfmoos Sphagnum spec.), eine negative Tendenz feststellen.
Wie geht es nun weiter?
Der Status quo der Klimaerwärmung lässt sich auf absehbare Zeit wohl nicht mehr umkehren, so viel steht inzwischen zweifelsfrei fest, zumal sich klimawirksame Gegenmaßnahmen nur sehr langsam auf das weltweite Klimageschehen auswirken. Ob es noch schlimmer wird, hängt entscheidend davon ab, ob wir bereit sind, auf liebgewonnene Gewohnheiten, die das Klima schädigen, verzichten wollen. Das betrifft alle Bereiche unserer Lebensweise, die mit Energieverbrauch aus fossilen Energieträgern zu tun haben, also unsere Art der Mobilität, des Heizens, des Konsums und der Ernährung.
“Die AG Restsee hat sich in den Jahren 2007 und 2016 erstmals mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Rhein im Hinblick auf die Tagebauseefüllung beschäftigt. In den Leitentscheidungen 2021 und 2023 ist der Auftrag formuliert, die Auswirkungen der Trockenheit der vergangenen Jahre und des Klimawandels auf die Rheinwasserführung im Hinblick auf die Befüllung der Tagebauseen unter Berücksichtigung der Anforderungen der Binnenschifffahrt zu untersuchen und weiter zu beobachten.”“Die Tagebauseefüllung wird überwiegend im Zeitraum 2031–2060 stattfinden. Für diesen Zeitraum wird für den Rhein eine Zunahme sowohl von Tagen mit hohen Pegelständen als auch von Tagen mit niedrigeren Pegelständen prognostiziert. Die hohen Entnahmen an Tagen mit hohen Pegelständen gleichen dabei die geringe Entnahmemöglichkeit an Tagen mit niedrigeren Pegelständen aus. Daraus ergibt sich insgesamt, dass auch für das ungünstigste Klimaszenario im Zeitraum 2031–2060 die Entnahmemenge mindestens genauso groß wie oder größer sein wird als im Bezugszeitraum.Aus heutiger Sicht reicht die Rheinwassermenge auch unter Berücksichtigung der aktuellen Klimaszenarien voraussichtlich aus, um die Tagebauseen in der vorgegebenen Zeit von ca. 40 Jahren zu füllen und den Bedarf an Ökowasser zu decken.
In der Trockenperiode 2011–2020 war die mittlere jährliche Entnahmemenge etwa 6 % geringer als im Bezugszeitraum. Eine längere Folge von Jahren mit geringerer Rheinwasser-Entnahmemöglichkeit kann zu einer Verlängerung der Fülldauer der Tagebauseen führen, wenn sie nicht durch Jahre mit überdurchschnittlicher Entnahmemöglichkeit ausgeglichen werden.”







