„Blühendes Mönchengladbach“

Wir haben überlegt, ob wir das Konzept „Blühendes Mönchengladbach“ des sogenannten Umweltdezernenten auf unsere neue FAKEnews-Seite stellen oder in unseren Nachrichtenbereich. Dann waren wir uns aber schnell einig: Der Umstand, dass der Bau-, Planungs- und Umweltdezernent die Bürgerschaft und auch seine RatskollegInnen mit FAKEs versorgt, ist eine Nachricht und kein fake.

Der Umstand hat uns aber bewogen, selbst eine Seite mit FAKEnews auf unserer homepage einzurichten, ganz im Trend der Zeit. Nun zur Sache:

Mit dem Baudezernenten Dr. Grogor Bonin kann man durchaus zufrieden sein. Da sind seine Erfolge in der kurzen Zeit durchaus beachtlich, zumindest auf dem Papier. Das Erstellen (lassen) von masterplänen, die Durchführung von städtebaulichen Wettbewerben, die sein „Team“ dann prämiert und als Paradigmenwechsel, als großen Wurf und als alternativlos (Lieblingssatz: „Nichtstun ist keine Alternative“) verkauft, das Finden von Investoren, das Erfinden von großartigen Markennamen. Das ist sein Ding. Das war schon so in seiner Düsseldorfer Zeit.

Der Umweltdezernent tut sich da schon schwerer. Was die Stadt da zu bieten hat, auf den Feldern Klimaschutz, Stadtökologie, Verkehrswende, hört sich in Ratsvorlagen und Pressemitteilungen zunächst großartig an, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen als Luftblase, quasi als Maus, die im Elefantenkostüm daher kommt, zumindest in großen Teilen. Wir haben darüber bereits berichtet.

Das einzige masterplan-Projekt, das nennenswert etwas mit Stadtökologie zu tun hat und ein großer Wurf hätte werden können, verschwand nach kurzer Diskussion wieder in der Schublade.
Man konnte sich dann doch nicht dazu durchringen, den Parkplatz zugunsten einer Grünanlage zu entfernen.

Besonders deutlich werden die stadtökologischen Luftblasen, wenn man auf der homepage der Stadt die Seite „Blühendes Mönchengladbach” aufruft. Die drei Vorzeigeprojekte, die man dort findet, sind offensichtlich ernst gemeint, also kein fake. Wir müssen das besonders betonen, weil es – zumindest uns – schwerfällt, das zu glauben. Hier erklären wir, warum.

Beispiel 1:

Unsere Bewertung:

Statt die 150.000 Euro in die Erstellung eines Grünordnungsplanes zu investieren, den die Stadt dringend braucht (wir berichteten), werden stadtökologische Projekte vorgestellt, die einer Satire alle Ehre machen würden. Das erste Beispiel hier muss man allerdings als schlichte Desinformation bezeichnen. Da dieses Beispiel wahrscheinlich von Personen bearbeitet wurde, die „vom Fach“ sind, darf man unterstellen, dass es eine gezielte und gewollte Desinformation ist und kein „Nichtwissen“.

Bei der oben dargestellten Fläche, die als bunte Blumenwiese daher kommt, handelt es sich um eine sogenannte Kompensationsfläche (Nr. 203), die als Ausgleich für die Bebauung des Gewerbegebietes Rheindahlen am Trietbach in Neuwerk angelegt werden musste und vom Eingreifer, also vom Investor bzw. Bauherren, bezahlt bzw. ersatzweise von der Stadt gegen Bezahlung bereitgestellt und angelegt wurde. Der Stadt obliegt die Kontrolle, in den meisten Fällen auch die Gestaltung.

Genau diese Fläche und dieses Bild dazu wurde auch dem Umweltausschuss im Sommer 2019 als beispielhaft für ihre Tätigkeit im Bereich Kompensationsflächen vorgestellt. Es scheint das einzige positive Bild und das einzige positive Beispiel dieser Art zu sein, über das die Stadt verfügt. Das kann durchaus sein:

Von diesen Kompensationsflächen finden sich in der Stadt über 200 auf insgesamt etwa 220 ha. Der BUND hat diese Flächen im letzten Jahr stichprobenartig überprüft und dabei festgestellt: Von ökologischer Aufwertung ist bei über 50% der Flächen nichts zu sehen. Blühende Landschaften – Fehlanzeige.

Die oben dargestellt Fläche war bis 2018 sogenanntes Wirtschaftsgrünland, also eine Mähwiese, die 2019 umgebrochen und eingesäht wurde mit einer sogenannten einjährige Wildblumenmischung. Diese besteht aus Kräutern, die offenen Boden benötigen (umgebrochene Getreideäcker), dort schnell keimen, wenn man nicht spritzt und wieder verschwinden, wenn man das Feld wieder beackert. Man findet sie hin und wieder an nicht bewirtschafteten Ackerrändern und Ackerbrachen. Aber nur ein Jahr lang. Ein Wildwiesenfreund berichtet:

„Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei einem unserer zahlreichen Baumarktbesuche aus der Gartenabteilung eine Dose mit “Wiesenblumen”-Saatgut kaufte, ohne auf die Inhaltsangabe zu schauen, und gleich zu Hause einsäte.

Was soll ich sagen, es keimten und blühten noch im ersten Jahr Ringelblumen, Mohn und Kornblumen und ein paar Exoten. Eigentlich sah es schön bunt aus, aber eben nach Ackerblumen und nicht nach Blumenwiese. Noch nicht, dachte ich. Im 2. Jahr würden sich die Wiesenblumen sicher durchsetzen.

Aber nix da, im 2. Jahr kümmerten noch ein paar Mohnblumen vor sich hin, aber ansonsten eroberte sich die umliegende Vegetation ihren Platz zurück. Das war also ein Schuss in den Ofen und eine hilfreiche Lektion in Sachen Wiesenblumen-Saatgut.“ (https://www.naturgarten-anlegen.de/naturgarten-elemente/blumenwiese/saatgut/)

Jetzt, ein Jahr später, sieht die Fläche Nr. 203 weniger spektakulär aus. Man könnte sie nun wieder umbrechen und wieder ein Jahr lang als bunte Brache liegen lassen.

Das macht die Stadt aber sehr selten – das ist Arbeit und kostet Geld. Meist bleibt die Fläche nun so liegen, wird von einem Landwirt gegen Bezahlung „gepflegt“, d.h. regelmäßig gemäht und dann offiziell als artenreiche Mähwiese bezeichnet. So auch hier. Artenreich werden diese Flächen selten, weil oft gedüngt und rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gemäht wird.

Die Kompensationsflächen im Stadtgebiet, die den Namen „artenreiche Wildwiese“ verdienen, kann man fast an einer Hand abzählen, wie der BUND letztes Jahr feststellte. Soviel zum „Blühenden Mönchengladbach”, Beispiel 1.

Beispiel 2:

Auch das 2. Beispiel ist, nachdem man das Vorhergehende erfahren hat, Augenwischerei. Sich auf die Landwirtschaft und das Engagement der BürgerInnen verlassen, wenn man selbst in diesem Bereich nichts tut, ist beschämend, zumal die Aktion der Kreisbauernschaft mengenmäßig kaum zu blühenden Landschaften führen wird.

Das Land fördert im Rahmen des sog. Vertragsnaturschutzes Flächenstilllegungen und Blühstreifen mit 11 ct/qm – ein realalistischer Wert, der den Ernteausfall deckt, bedenkt man, dass die Landwirte für ihre Vorstellung von Naturschutz eher schlechte Böden vorschlagen oder Wege-/Ackerränder, die ihnen ohnehin nicht gehören, weil sie Teil eines öffentlichen Weges sind. Die Landwirte verlangen allerdings zwischen 50 und 60 ct/qm. Für 11 ct/qm, wie sie die Stadt für die Umsetzung der unzähligen Ackerrandstreifen, die im Landschaftsplan festgesetzt sind, anbietet, hat bisher kein einziger Landwirt zugeschlagen.

Beispiel 3:

Abgesehen davon, dass eine Einzelfläche dieser Größe auf einer mit Bäumen bewachsenen Fläche, die dafür gerodet wurde, wenig zum blühenden Mönchengladbach beiträgt, verlässt sich die Stadt auch hier wieder auf die Initiative von Einzelpersonen, statt selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.

Auf eigenen Flächen wie hier im Nordpark könnte die Stadt viel bewirken, wenn sie denn wollte.

Die Beispiele von Flächen im Stadtgebiet, wo „Teppichgrün“ ohne Blumen, ohne ökologischen Wert, auch offensichtlich ohne bestimmte Nutzung daliegt und nur regelmäßig gemäht wird, würde ein ganzes Buch füllen. Nicht wenige dieser Flächen befinden sich in städtischer Hand. Hier ergäben sich Handlungsmöglichkeiten ohne Ende, wenn man das nötige Fachpersonal bereitstellen würde. Das kostet aber mehr als die oben erwähnten 150.000 Euro – das ist wohl das Problem.

Bäume roden, um Kräuterbeete anzulegen? Hat Mönchengladbach so wenig Platz?

Beispiel 4:

Das letzte Beispiel findet sich nicht auf der homepage der Stadt unter „Blühendes Mönchengladbach“, ist trotzdem real, kein fake und keine Satire. Die Stadt führt es als Beitrag zu ihrem Stadtbegrünungskonzept an und sucht dafür Paten. Wir lassen es zur Abwechslung einmal unkommentiert so stehen.

Fassen wir am Ende zusammen: Als Architekt, Bauherr oder Bau-Investor wären wir mit dem Bau- und Planungsdezernenten recht zufrieden, auch wenn die wenigsten seiner Projekte und Visionen bereits Wirklichkeit sind. Aber sie sind wenigstens eingeleitet. Dafür hat man ihn wohl auch nach Mönchen­ladbach geholt.

Dem Umweltdezernenten können wir bisher nicht viel abgewinnen. Auch hier gibt es zwar etliche Masterpläne und Absichtsbekundungen, die alle unter der Überschrift „mg+ – wachsende Stadt“ subsummiert werden. Eingeleitet oder umgesetzt ist davon aber das Wenigste. Das ist umso bedauerlicher, als die Möglichkeiten dazu enorm sind. Das zeigen gerade die Masterpläne oder auch das Stadtökologische Konzept des BUND.

Wir wollen aber fair bleiben und nicht alles dem Umweltdezernenten alleine anlasten, obgleich er in Mönchengladbach derzeit die zentrale Schaltstelle darstellt. Am Ende entscheiden unsere gewählten PolitikerInnen.

So steht es zumindest in unserer Verfassung.

Es gibt allerdings auch aus unerer Sicht Positives zu berichten. 2018 hat die mags, zuständige für die Grünunterhaltung in der Stadt, damit begonnen, sogenanntes Straßenbegleitgrün von Rasen in Staudenbeete umzuwandeln, die inzwischen an vielen Stellen das Straßenbild bereichern. Unsere anfängliche Befürchtung, dass Blumenklau, Vandalismus und Ignoranz dieee Bemühungen unterwandern, scheint sich nicht zu bestätigen.

Statt Rasen zieren nun vom Frühjahr bis in den Sommer Gräser und Blumen viele Straßenränder. Auch wenn das noch nicht der große Wurf gegen das Insektensterben ist, enthält das verwendete Pflanzensortiment “Tanz der Gräser” doch auch etliche Sorten, die nicht nur schön aussehen, sondern auch Insekten Nahrung bieten.

Straßenbegleitgrün “Tanz der Gräser” In Venn 2020

Wichtig für die Pflanzen, die Trockenheit weit besser vertragen als Rasen, ist jedoch, dass sie bei anhaltender Trockenheit hin und wieder gewässert werden, was angesichts der Flächengröße auf Dauer nur funktioniert, wenn Anwohner dabei helfen, z.B. in Form von Patenschaften. Dies müsste die mags weiter forcieren.

Erfreulich ist auch, dass man neben dem Trend zum Schotter statt Bodendecker vermehrt auch sehr naturnahe Vorgärten und Grünflächen findet, etwa in Form von nur noch selten geschnittenen Blumenwiesen.

Blumenwiese statt Teppichrasen in Venn 2020

Experten sagen voraus, dass es Schnittrasen in Zeiten des Klimawandels mit wochenlanger Trockenheit in unseren Städten ohnehin in Zukunft schwer haben werden und empfehlen, Düngung und Schnitthäufigkeit zu reduzieren (Tipps dazu).

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