Neue Innenstädte braucht das Land Chancen für eine Neuorientierung in der Stadtentwicklung - wo bleiben die Ideen?

Das Gesicht der Innenstädte ist einem ständigen Wandel ausgesetzt, je nach Mode, Bedürfnissen und Anforderungen ihrer Zeit und ihrer BewohnerInnen, nicht nur in Mönchengladbach.

Bei uns war das z.B. die Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts, die Einführung der Straßenbahn am Anfang und der Wirtschafts- und Autoboom seit Mitte des letzten Jahrhunderts, die unser Stadtbild (vorläufig) prägten.

In diesem Jahrhundert sind es wieder neue Anforderungen, die ein Überdenken alter Strukturen unserer Innenstädte notwendig machen: Klimawandel, online-Handel, Überalterung, Bevölkungsrückgang, home-office, single-Haushalte, mehr Freizeit ….

 

Weniger Parkplätze, mehr Freiflächen für die Menschen,
mehr Raum für Kultur, Gastronomie, Freizeitgestaltung, barrierefrei!

Autovorrangpolitik in Mönchengladbach

  • Der demographische Wandel mit immer mehr alten, gehbehinderten Menschen verlangt nach barrierefreien, wohnortnahen Begegnungsstätten, Aufenthaltsorten, Freizeitangeboten, um der Vereinsamung entgegenzuwirken und sie am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen.
  • Diese Begegnungsstätten und Aufenthaltsorte im Freien müssen in Zeiten, in denen die sommerlichen Temperaturen wahrscheinlich dauerhaft die 30-Grad-, möglicherweise sogar die 40-Grad-Marke knacken, besonderen Anforderungen genügen. Das betrifft im Prinzip den gesamten, dicht bebauten Innenstadtbereich, aber insbesondere die Wohnquartiere von Bevölkerungsgruppen mit unterdurchschnittlichem Einkommen, die über keinen eigenen Garten verfügen, anders als viele PolitikerInnen, die mehr Verbote und Härte gegenüber Benutzern öffentlicher Grünanlagen fordern.
  • Der Trend zum online-Handel, von der Pandemie beflügelt, wird sich fortsetzen, da sind sich Marktexperten einig. Damit einher geht die Verödung der Innenstädte mit höherpreisigem Einzelhandel, Leerstand von Ladenlokalen, die die auch in Mönchengladbach stark gestiegenen Mieten der Innenstädte nicht mehr erwirtschaften können, aber auch der Leerstand an Büroflächen, was nicht zuletzt dem aktuellen Trend zum home-office geschuldet ist.
  • Zu große Wohnungen durch vermehrte single-Haushalte bei Jung und Alt verlangen neue Wohnformen und flexible Wohnungszuschnitte.
  • Um der auch kulturellen Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken, sind Konzepte nötig, die die Innenstädte, ihre Straßen, Plätze und Gebäude wieder mit Leben füllen, jenseits vom Shoppen und abseits von Unfallgefahren, Lärm und Abgasen.
  • Die Abkehr vom motorisierten Individualverkehr in der heutigen Intensität ist nicht nur für die Steigerung der Attraktivität der Innenstädte entscheidend, sondern auch zwingend notwendig, wenn wir unsere Klimaziele erreichen und die drohende Klimakrise abwenden wollen.
  • Wenn Pandemieforscher sich durchweg sicher sind, dass die aktuelle globale Viruswelle nicht die erste war und auch nicht die letzte sein wird, dann muss sich die Politik auch überlegen, wie sie darauf u.a. stadtplanerisch reagiert, um darauf in Zukunft (besser) vorbereitet zu sein.

Angesichts dieser Herausforderungen an moderne, nachhaltige Stadtplanung erscheint der Begriff „mg+ Wachsende Stadt“ mit seinen Prioritäten als Leitbild nicht mehr ganz zeitgemäß. Die großen Bauprojekte, die dort herausgestellt werden, sind im Wesentlichen auf den Weg gebracht.

Viel mehr Konkretes als diese gibt das Strategiepapier der Stadt nicht her. Auf der homepage der Stadt heißt es dazu:

“Die konkreten Inhalte der gesamtstädtischen Strategie und die Gründe für ihre Umsetzung werden anhand von zehn formulierten Leitsätzen vorgestellt.”         Das sind dann die 10 Leitsätze:

    1. Wenn nicht jetzt, wann dann?
    2. Klares Unternehmensziel wachsende Stadt
    3. Konzern Stadt/handeln aller schafft Wachstum
    4. Voraussetzung für Quantität ist Qualität
    5. Standortvorteile durch Kundenorientierung und Verlässlichkeit
    6. Regionale Kooperation
    7. Stadtentwicklung als Produkt
    8. Koppelung Stadtentwicklung und Stadtmarketing
    9. Strategie ohne Ende
    10. Umsetzungsorientiert und effizient

Man kann das eher für Plattitüden und Worthülsen oder im besten Fall für Selbstverständlichkeiten halten. D.h. „Wachsende Stadt“ als „Unternehmensziel“, „Konzern Stadt“, „Stadtentwicklung als Produkt“, das sind in Mönchengladbach oft zu hörende Begriffe, die man eher im Strategiepapier eines gewinnorientierten Unternehmens vermuten würde. Stadtentwicklung danach auszurichten, ist mindestens fragwürdig.

Der neue Stadtrat mit seinen Wahlkampfslogans Neues Denken Neues Handeln (CDU), Mehr Mut für Mönchengladbach (SPD), Eine Stadt für alle (GRÜNE) sollte schleunigst darüber nachdenken, wo zukünftig ihre Prioritäten für die Stadtentwicklung liegen sollen. Dabei darf auch die Frage im Raum stehen, ob die Stadttöchter EWMG (Entwicklungsgesellschaft), WFMG (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) und MGMG (Marketinggesellschaft) im „Konzern Stadt“ mit ihrem hohen Personalbestand und Budget in ihrer bisherigen Form und Aufgabenstellung noch vonnöten sind und wie sie in eine neue Stadtentwicklungsstrategie eingebunden werden können. Ein Unternehmer würde sich das fragen.

Die großflächigen Industrieansiedlungen der letzten 20 Jahre, hauptsächlich im Logistik-Bereich mit seinen im unteren Lohnbereich angesiedelten Beschäftigten kommt zwar der Sozialstruktur in Mönchengladbach entgegen, hat aber die finanzielle Situation der Stadt offensichtlich nicht nachhaltig verbessert. Die Stadtentwicklung ist immer noch fixiert auf spektakuläre und schnell vorzeigbare Großprojekte, was sich auch in ihrem Motto „mg+ wachsende Stadt“ niederschlägt.

Die vom Rat der Stadt 2016 als sogenannter Masterplan beschlossene Stadtentwicklungsstrategie, wurde von einer Gruppe (MG3.0 Masterplan Mönchengladbach e.V.) aus Marklern, Bauunternehmern, Kreditinstituten, Handwerksbetrieben und Geschäftsleuten mit dem Ziel erarbeitet, herausragende Bauprojekte in Mönchengladbach zu befördern.

 

Die vielen kleinen Dinge, die in der Summe erst nach Jahren oder Jahrzehnten ein beachtliches Paket ergeben, sind nicht Sache der Politik. Dafür sind die Wahlperioden wohl zu kurz. BürgerInnen, die mit – oder ohne – diese vielen kleinen Dinge Jahrzehnte leben müssen, sollen einbezogen werden, heißt es, aber ihr Einfluss auf die Stadtentwicklung bleibt überschaubar.

Vorschläge, wie die oben genannten Herausforderungen der Zukunft anzugehen sind, wie eine durchgehende Begrünung der Innenstädte mit Bäumen, Dach- und Fassadenbegrünungen, mehr quartiersnahe Grünflächen ins Werk gesetzt werden kann, wo und wie die Innenstädte barrierefrei gestaltet und vom motorisierten Individualverkehr befreit werden, wie Freizeit- und Kulturangebote die Innenstädte beleben können, auch dies alles ist eigentlich bekannt, steckt in vielen Plänen, Gutachten und Konzepten, die der Stadt – und auch unseren PolitikerInnen – vorliegen.

Nahmobilität
Klimaschutz
Lärmschutz
Klimaschutz
Stadtökologie
Natur und Landschaft
Innenstadt Ry

 

 

 

 

 

 

Man muss sie nur aus den Schubladen holen und sich mit ihnen beschäftigen.

Ein weiteres Beispiel ist das gerade erschienene „Strategiebuch Klima“ der Stadt. Es ist voll mit Ideen und Absichten, liest sich gut und passt in die Zeit. Wert erhält es allerdings erst dann, wenn man die dort skizzierten Maßnahmen und Projekte vor Ort besichtigen kann. Im Übrigen enthält es wenig Neues. Vieles davon konnte man auch bisher schon im Konzept „mg+ wachsende Stadt“ nachlesen. Es ist quasi eine Zusammenfassung in Broschürenformat.

Der gerade aufgestellte Haushalt der Stadt Mönchengladbach trägt noch die Handschrift der abgewählten GroKo nach der Kommunalwahl, was angesichts der Überschneidung beider Ereignisse nicht verwundert. Anhaltspunkte, wie die Stadt konkret auf Klimawandel, Verkehrswende, Verödung der Innenstädte, drohende Verschuldung (die auf die Milliardengrenze zusteuert) reagieren wird, finden sich dort kaum.

Das Problem: Die Umsetzung dieser vielen „Kleinigkeiten“ dauert viele Jahre – ungeeignet für eine vorzeigbare Bilanz nach vier Jahren. Das Bild einer „Seestadt“ lässt sich in Gänze, farbenprächtig, kompakt, mit vielen Attributen einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung präsentieren. Es eignet sich gut als Erfolgsbilanz und für den Jahresabschluss einer Stadt bzw. einer städtischen Entwicklungsgesellschaft.

Die Planung von Straßenbäumen, von kleinen Grünanlagen auf den Restflächen, die man sich zusammensuchen muss, von kleinen und größeren Radwegeverbindungen und –verbesserungen, von Dach- und Fassadenbegrünungen, von Verkehrsknoten an den Hauptzufahrtsstraßen, die den Wechsel vom Pkw auf das Rad, auf Bus oder Taxi ermöglichen, das alles ist ein mühsames Geschäft, das Zeit und Personal erfordert, das die Stadtverwaltung inzwischen kaum noch hat.

„Mönchengladbach lebt!“
Unter dieser Überschrift fordert die CDU-Ratsfraktion die Verwaltung auf, Konzepte für die Förderung der Innenstädte in Rheydt und Gladbach zu erarbeiten. Ziel soll sein, die Qualität in den Citys zu steigern und Leerstand zu vermeiden. Hierbei sei auch zu prüfen, inwiefern Grundstücks- und Immobilienbesitzer finanziell in die Pflicht genommen werden können, sollten sie vorsätzlich oder grob fahrlässig Gebäude und Ladenlokale leer stehen lassen.

Die CDU fordert also die Verwaltung auf, zu untersuchen und zu prüfen. Mit „Verwaltung“ sind wahrscheinlich nicht die o.g. Stadttöchter mit ihren Personalkapazitäten gemeint. Es sieht auch nicht danach aus, als habe die CDU vor, eigene Ideen und Konzepte in die politische Waagschale zu werfen, etwa Ideen und Lösungsansätze zu den eingangs aufgezählten Zukunftsproblemen unserer Innenstädte.

Es ist zwar bequem, aber überflüssig und wenig hilfreich, die Verwaltung seitens der Politik immer wieder mit neuen Prüfaufträgen, Konzepten und Vorschlägen zu beauftragen. Bequem, weil es davon ablenkt, dass Kommunalpolitiker und Parteien gerne auch selbst solche Konzepte und Ideen entwickeln dürfen. Das muss man nicht immer Vereinen und Lobbygruppen überlassen, deren Interessen ja nicht verwerflich, aber in der Regel recht einseitig sind.

Diese vielen kleinen Dinge, die eine lebens- und liebenwerte Stadt ausmachen, lassen sich auch nicht so einfach auf „externen Sachverstand“, sprich auf Projektmanager, auf Wettbewerbe, auf Großinvestoren übertragen. Das Fachpersonal, das notwendig wäre, hieran langfristig im Dialog mit den BürgerInnen vor Ort zu arbeiten, hat die Politik in den letzten Jahren weggespart, notgedrungen angesichts ihrer Haushaltssituation.

Ideen und Perspektiven für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung zu entwickeln, ist vor allem Aufgabe der Politik, nicht der Verwaltung. Die hat sie dann umzusetzen.

Es ist also letztlich nicht hilfreich, sich für Konzepte, Strategien und Lösungsvorschläge immer wieder hilfesuchend an die Verwaltung zu wenden, statt zu versuchen, mehr BürgerInnen für eine lokale Stadtentwicklung zu begeistern, sie – auch in die Parteiarbeit – zu integrieren und dann selbst Konzepte zu entwickeln. Dafür muss man dann aber die Verantwortung übernehmen – vielleicht auch ein Problem für manche PolitikerInnen.

 

Beispiel Radwegebau

Radwege bauen oder ertüchtigen, ist ebenfalls planungsaufwendig, teuer – und braucht Zeit. Höchste Zeit, dieses langfristige Projekt mutig anzugehen, Der dafür vorgesehene Haushaltsansatz ist allerdings wenig ermutigend. Das zeigt auch das aktuelle Städteranking des ADFC zum Thema Fahradklima. Hier landet Mönchengladbach von allen Städten vergleichbarer Größe wieder ganz unten.

 

Beispiel Verkehrswende

Park&Ride-Systeme, die den Umstieg vom Pkw auf Mietrad, Taxi oder Bus ermöglichen, brauchen Zeit.

In der nebenstehenden Grafik des BUND sind die Haupteinfallsstraßen in die Cities von Mönchengladbach und Rheydt mit angedachten P&R-Systemen dargestellt.

Um die Innenstädte vom Verkehr zu entlasten, benötigt man Parkplätze (Hoch- oder Tiefgaragen) in direkter Nachbarschaft zur Bushaltestelle, einer Radverleihstation und einem Taxistand. Im Parkschein sind die Kosten für ein Leihfahrrad, ein Taxi- oder Busticket bereits enthalten. Dafür geeignete Plätze zu finden und zu errichten, ist eine Aufgabe von vielen Jahren, mit der man aber irgendwann einmal beginnen müsste.

Auch die Anlage von Mikro-Depos, die außerhalb der Innenstädte Pakete sammeln, die von dort z.B. mit Lastenrädern in die City transportiert werden, sind eine gute Idee, um die Innenstädte vom zunehmenden Lieferverkehr durch den online-Handel zu entlasten. Dortmund setzt diese Idee jetzt um.

Eine verpasste Chance war z.B. der neue Kauflandmarkt an der viel befahrenen Aachener Straße in Holt mit ausreichend Platz für die genannten Einrichtungen. Platz für eine zusätzliche Hochgarage bietet der Baukörper ebenfalls. Alleine aus geschäftlichem Interesse wäre der Eigentümer wahrscheinlich einer solchen Idee gegenüber nicht abgeneigt gewesen, zumal, wenn es für solche Infrastrukturmaßnahmen auch noch Zuschüsse gibt, ihm also keine Zusatzkosten entstehen.

Hat es solche Gespräche gegeben, wenigstens Ideen in diese Richtung? Seitens der Politik hat man davon nichts gehört.

 

Beispiel Freiraumgestaltung

Hecken, Baumreihen, lückige Gehölz- und Blühstreifen. Für Natur, Naherholung und Landwirtschaft gleichermaßen nutzbar.
So sollte die Landschsaft z.B. nördlich Herrath aussehen, ginge es nach dem rechtsgültigen Landschaftsplan

 

 

 

 

 

 

 

So sehen die Wege in der Ackerflur um Mönchengladbach in der Regel aus. Keine schattenspendenden Bäume, keine Blühstreifen, gepflügt bis zum Wegesrand. Dieser Freiraum dient nur der Landwirtschaft – für eine Großstadt zu wenig!

 

In einer Großstadt ist der Platz knapp, insbesondere im Innenstadtbereich. Die Grundstücks- und Mietpreisentwicklung zeigt dies überdeutlich. Neue Grünanlagen lassen sich dort nicht so einfach aus dem Boden stampfen.

Umso wichtiger ist ein zentrumsnahes Umland, das sich für die Naherholung eignet, ohne dass man dafür ins Auto steigen müsste. Davon hat Mönchengladbach noch reichlich. Ginge es nach dem Landschaftsplan (wieder ein Werk, das seit mehr als 30 Jahren in den Schubladen schlummert), dann wäre die Ackerlandschaft voll von Blühstreifen, Baumreihen, Hecken und schattenspendenden Baumgruppen mit Sitzgelegenheiten. Ginge es nach dem Kompensationsflächenkataster der Stadt, dann gäbe es Dutzende artenreiche Blumenwiesen, die zum Verweilen einladen, für Mensch und Getier gleichermaßen. Jüngste Erhebungen des BUND zeigen: liest sich gut, was da auf dem Papier steht. Wer’s sucht, wird selten fündig.

Papier ist geduldig. Die Natur offensichtlich nicht. Das zeigt der Artenschwund allerorts und nicht zuletzt der galoppierende Klimawandel. Die die Menschen (auch Teil der Natur) im Lande verlieren ebenfalls langsam die Geduld. Das zeigen die Wahlergebnisse, Demonstrationen, Bürgerinitiativen, Klagen und das nachlassende Vertrauen in Gestaltungswillen und –fähigkeit der Politik.

Es wird höchste Zeit, dass die Politik vom Modus des Verwaltens und Hinterherhinkens in den Modus des aktiven Gestaltens und Umsetzens wechselt. Sonst macht sie sich mittelfristig überflüssig. Bei Bauprojekten hat man in Mönchengladbach gesehen, wie schnell das gehen kann, wenn man will.

Beispiel Stadtgrün

Quelle: „Innenstadtkonzept Rheydt – Impulse für die city, Dortmund, Mönchengladbach, 2008

„Im Rahmen der Haushaltsberatungen für den Doppelhaushalt 2019/2020 wurden der Verwaltung jeweils 150.000 € für das Projekt „Blühendes Mönchengladbach“ zur Verfügung gestellt, erklärt die Stadt Mönchengladbach stolz auf ihrer homepage.

In letzten beiden Jahren mussten im Schnitt mehr als 2.000 Bäume/Jahr gefällt werden, weil sie krank waren oder aus stadtplanerischen Gründen im Weg standen. Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar.

Fachgerecht gepflanzte Bäume im Straßenrraum, die 30 Jahre überstehen sollen, haben ihren Preis. Grafik: Grünhandbuch der mags, Mönchengladbach 2020

Wollte man diese Bäume im Stadtraum auch nur ersetzen, wären noch Berechnungen des BUND Kosten in Höhe von ca. 10.000.000 Euro erforderlich – für die nächsten 5 Jahre.

Diese Hochrechnung basiert auf den üblichen Kosten für die fachgerechte Anpflanzung eines Baumes im Straßenraum (ca. 2.000 Euro/Baum). Kosten für die Neupflanzung in Parkanlagen bewegen sich zwischen 5.00 und 1.000 Euro/Baum, je nach Größe.

Es gibt ein gewichtiges psychologisches Argument, sich über diese Kosten bewusst zu werden. Leider verbinden viele Menschen den Wert einer Sache mit ihrem Preis in Euro. Wer hört, dass die Entfernung und Neupflanzung von 8 Bäumen, die einer Sichtachse im Wege stehen, so viel kosten wie ein kleiner Neuwagen, entwickelt vielleicht eine andere Sicht auf sein Anliegen – und lässt die Bäume stehen.

Einen Grünordnungsplan, der Auskunft gibt über geeignete Baumstandorte, Flächen für Dach- und Fassadenbegrünung, Bestand und Bedarf an öffentlich zugänglichen Grünanlagen, ihren Zustand und ihr Entwicklungspotential beurteilt, Vorschläge für neues Grün macht, sucht man bisher vergebens. Grund ist vermutlich: Ein solcher Plan wäre sehr konkret, würde Geld kosten, keine Investoren anziehen, kein Geld in die Stadtkassen spülen, bräuchte viele Jahre für seine Umsetzung  und wäre nicht in einer farbenprächtigen Verpackung präsentierbar wie die Großprojekte des Masterplans. Profitieren würden die BürgerInnnen der Stadt in ihrem Alltag und in ihrem Umfeld, soviel ist sicher.

„Kö-Bogen2“ in Düsseldorf

Während die Nachbarkommune Meerbusch bereits 2019 eine „Satzung zur Dachbegrünung“ im gesamten Stadtgebiet beschloss, Düsseldorf mit einem Vorzeigeprojekt wie der größten Grünfassade Europas  („Kö-Bogen 2“) von sich reden macht, findet man im gerade aufgelegten „Strategiebuch Klima“ der Stadt dazu, wie überhaupt, wenig Konkretes: „Gegen Hitzeeffekte werden durch die Planung und bei Bauvorhaben zunehmend Dach- und Fassadenbegrünungen gefordert. So verpflichtet die EWMG beim Grundstücksverkauf Gewerbetreibende zur Dachbegrünung.“

Konkrete Vorzeigeprojekte, wo dies umgesetzt wurde, sucht man vergebens.

Ein Prüfstein, wohin zukünftig die Reise gehen soll, ist die Umgestaltung des Geroparks am Fuße des Münsters. Dieses Projekt muss bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Noch vor einem Jahr schien diese Umgestaltung am Verlust der Parkplätze zu scheitern. Nun ist Dank der Zuschüsse des Landes die Umgestaltung beschlossen. Einige Parkplätze bleiben erhalten. Über die Details ist noch wenig bekannt. Die BürgerInnen sollen demnächst ihre Ideen einbringen. Das wird Ihnen aber nicht leicht gemacht.

Die Stadt hat zwar eine homepage, auf der sie BürgerInnen über aktuelle Vorhaben, Planungen und Projekte informieren will und Möglichkeiten zur Beteiligung und Meinungsäußerung bieten könnte. So etwas ist kein Hexenwerk, sondern inzwischen Stand der Technik und weit verbreitet.

Wenn man auf dieser homepage aber etwas Konkretes z.B. zum Geropark sucht, wird man nicht fündig. Welchen Schluss soll man, muss man daraus ziehen?

Wie wäre es mit einer Seilbahn vom Fuße des Abteiberges zum Münster? Gehbehinderte Menschen würden das sicherlich begrüßen. Die Stadt schlägt in ihrer Stellungnahme zum Entwurf für das Wirtschafts- und Strukturprogramm für das Rheinische Revier allen Ernstes vor: „Eine  Seilbahnverbindung  von  Erkelenz über  Mönchengladbach-Wanlo  nach  Jüchen  verbindet  die  zuvor  isoliert  gelegenen Orte  am  Tagebaurand.“ Unser Vorschlag ist dagegen nicht so ernst gemeint.  Obwohl: warum nicht?

Nachtrag: Mitte März erreichen uns etwas konkretere Planungen, die wir hier wiedergeben, ebenso wie unsere Stellungnahme dazu:

 
 
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