Trotz Corona: Klimawandel nicht vergessen!

Hinter uns liegen die trockensten und heißesten Jahre, seit es Klimaaufzeichnungen gibt. Auch Gladbacher haben das im Sommer 2018 und 2019 zu spüren bekommen. Hitzefrei in den Schulen, Flucht vor Temperaturen über 40° in die überlasteten Parkanlagen, Hitzeopfer in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, See- und Flussufer, die wegen des Ansturms von Hitzeflüchtlingen nicht mehr zu kontrollieren sind, schlecht gelaunte Autofahrer in ihren rollenden Saunas. Blumen tränken nach Feierabend – fast jeden Tag.

UFZ-Dürremonitor liefert täglich flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland (https://www.ufz.de/index.php?de=37937)

Schon im letzten Jahr ging das Fällen der Klimaopfer an den Straßenrändern und in den städtischen Forsten los. Die mags kommt kaum nach, vergibt die Mammutaufgabe an Fremdfirmen. Anwohner protestieren gegen Kahlschläge vor der Haustür. Hektarweise sind Fichten abgestorben, die als Flachwurzler die Trockenheit besonders schlecht vertragen. Buchen folgen ihnen. Nach Pilz- und Schädlingsbefall an Roßkastanien, Eschen und Ahorn seit mehreren Jahren schrumpft die Liste an Forst- und Straßenbäumen, die mit der Klimaänderung zurecht kommen, dramatisch zusammen. Ein Ende ist nicht abzusehen, selbst wenn die Niederschläge zur rechten Zeit wieder zunehmen sollten. Die Schäden sind bereits eingetreten.

Pflanzenverfügbares Wasser (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ)

60-jährige Buche im Hardter Wald 2020 zum Laubaustrieb: Wipfeldürre, abgestorbene Äste. Ein Todeskandidat. Nicht der einzige!

Fichten im Hardter Wald 2020: Totalausfall

Ein Konzept, wie mit dem gebeutelten Stadtgrün zukünftig umzugehen ist, hat die Stadt bislang nicht. Für Nachpflanzungen im notwendigen Umfang, der in den nächsten Jahren noch eher zu- als abnehmen wird, fehlt bisher das Geld. Im mags-Etat ist das nicht vorgesehen.

Dem Ansturm auf öffentliche Grünanlagen, letzte Zuflucht für Stadtbewohner in überhitzen Wohnungen, will man mit drastischen Maßnahmen begegnen.

Abgesehen von dem, was jeder sehen kann, finden aber auch viele kleine Desaster im Verborgenen statt, leise, kaum sichtbar, aber auf Dauer nicht weniger dramatisch.

Wichtigstes Laichgewässer für Erdkröten im Hardter Wald (ehemalige Kiesgrube) – im April 2020 trocken

Erdkröte

Jetzt, im April, sollte die Laichsaison ihren Höhepunkt erreicht haben. Sie fällt dieses Jahr aus, das Gewässer ist trocken. Da die durchschnittliche Lebenserwartung der Lurche in der Natur bei nur 2 – 4 Jahren liegt, bedeutet das: zwei oder drei solcher trockenen Frühjahre hintereinander, und der Hardter Wald ist nahezu frei von Amphibien. In anderen amphibienreichen Kleingewässern der Stadt, etwa den Naturschutzgebieten Viehstraße und Bistheide, sieht es nicht viel besser aus.

 Zwei Folgejahre hatten wir schon.

Schadinsekten, die im Winter so dezimiert werden, dass sie nicht zu schädlich werden, freuen sich über frühlingshafte Temperaturen mitten im Winter. Die Vogelwelt, die sich über einen reich gedeckten Tisch im Frühjahr freuen könnte, schrumpft seit Jahren zusammen. Forscher rätseln über das rasante Tempo, mit dem Vögel und Insekten verschwinden. Aufmerksame Gartenbesitzer und Naturfreunde haben es in den letzten Jahren gemerkt.

Vielleicht ist das ja noch kein Notstand, vielleicht haben wir ja noch Zeit, uns langsam und behutsam anzupassen, ohne dass es weh tut, ohne dass es massiv auf Wirtschaft, Gesundheit und sozialen Frieden durchschlägt. Vielleicht trifft uns in Mönchengladbach ja nicht, was derzeit weltweit Menschen in den Hunger, in Flucht oder den Ruin treibt, klimabedingt. Vielleicht. Aber was, wenn doch? Wenn der Klimanotstand schließlich da ist, vor unserer Haustür, ohne dass man ihn noch ausrufen müsste. Erstaunt ist man, zu welchem finanziellen Kraftakt Deutschland und die EU in der Pandemie fähig  sind, wenn es um die Wirtschaft geht.

Was aber ist, wenn die Folgen des Klimawandels die Auswirkungen der Pandemie noch in den Schatten stellen?

Wie viel Handlungsspielraum haben wir dann noch, auch finanziellen? Wie schnell muss es dann womöglich gehen, mit einschneidenden Maßnahmen, die dann sehr weh tun. Das betrifft Flüchtlinge, Wasser- und Nahrungsmittelversorgung, Arbeitsplätze, Preisanstiege mit sozialen Verwerfungen, Feinseligkeiten gegenüber denjenigen, die noch zurecht kommen bis hin zu einem politischen Klima, das extreme Positionen begünstigt.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, wie schnell so etwas passieren kann.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob wir noch Zeit haben, sondern, was ist, wenn nicht?

F. Wössner

Die renommiertesten Klimawissenschaftler und Biologen der Welt glauben, dass wir auf den Zusammenbruch der Zivilisation zusteuern, und es könnte bereits zu spät sein, den Kurs zu ändern. Ihnen ist heiß? Das ist erst der Anfang

3 Replies to “Trotz Corona: Klimawandel nicht vergessen!”

  1. Klimanotstand in Mönchengladbach?

    Seit die GroKo in Mönchengladbach einen entsprechenden Bürgerantrag ablehnte („reine Symbolpolitik“), hat sich einiges getan, nun, ein Jahr später.

    Die sommerlichen Temperaturen knacken die 40°-Marke. Die Menschen in ihren backofenheißen Wohnungen suchen das Freie, schattige Parks, Seeufer, Flüsse, Freibäder.

    Diese können den Besucheransturm kaum verkraften. In Parks ist wegen der Hitze das Grillen verboten. Im Rhein ertrinken Kinder und Erwachsene, die der Verlockung nach Abkühlung nicht widerste-hen konnten. An den Nord- und Ostseestränden werden Besucher wegen Überfüllung wieder nach Hause geschickt.

    Am Venekotensee, dort ebenso wie an vielen anderen Seen Badeverbot, müssen Ordnungskräfte engagiert werden, um den Ansturm an Falschparkern Herr zu werden. Ein Mädchen stirbt fast, weil Rettungsfahrzeuge nicht mehr durchkommen.
    Am Rhein versuchen DLRG-Freiwillige verzweifelt, die Menschen vom lebensgefährlichren Baden abzuhalten.

    Teiche müssen bewässert werden, weil sonst die Fische verenden. Laichgewässer von Amphibien sind schon seit Mai ausgetrocknet.
    In städtischen Wäldern sterben die Fichten und Buchen fast flächendeckend. Bürgerinitiativen bilden sich, um die Abholzung kranker Bäume in ihrem Umfeld zu verhindern.

    PolitikerInnen, aber auch viele BürgerInnen wollen es immer noch nicht wahrhaben, dass der Klimawandel auch uns erreichen könnte. Hätte man die klimabedingten Schreckensmeldungen dieser Tage vor zwei Jahren so geäußert, wäre man als Panikmacher verunglimpft worden.

    Aber langsam dämmert es auch den PolitikerInnen, für die Veränderungen Stress bedeutet: so kann es nicht weiter gehen. Plötzlich muss doch mehr Grün in die Innenstädte. Der Geroplatz, derzeit noch geprägt von parkendem Blech und Pflastersteinen, soll zum Park umgebaut werden. Autos sollen raus aus den Innenstädten und Bäumen, Rad- und Fußwegen weichen. Das hat nichts mit dem Ausspielen von verschiedenen Verkehrsteilnehmern gegeneinander zu tun, wie GroKo und FDP in Mönchengladbach meinen, sondern mit einem „fair“teilen des Straßenraumes, sowohl in Sachen Platz als auch in Sachen Subventionen. Das liegt noch vieles schief.

  2. Sendung “ttt” vom 24.05.2020 in der ARD zu “Wasserkatastrophe”

    Liebe BUNDaktive,

    wer von euch hat den 6 Minuten langen Beitrag zum o. g. Thema gesehen
    ??? Ich fand ihn sehr erschreckend. Wir stehen nicht nur am Anfang
    einer Klimakatastrophe, uns droht viel Schlimmeres !!! Die Dürre wird
    normal. Wenn es keinen ausreichenden Regen gibt, in 1,8 m Tiefe ist es
    jetzt schon knochentrocken, gibt es auch keine Grundwasserneubildung
    mehr. Deutschland vertrocknet. Die Ernten gehen kaputt. Der Wald und
    unsere Kulturlandschaft wird zerstört. Und das kann in 10 Jahren schon
    der Fall sein. Lange hin ???

    Laut Bayerischer Forstverwaltung sterben die Kiefern in Franken jetzt
    schon ab. Im Jahr 2019 hatten wir mit 42,6 ° eine zuvor noch nie
    erreichte Höchsttemperatur. Nur 0,3 % der weltweiten Wasservorräte
    sind Süßwasser, also potentielles Trinkwasser. Und von diesem
    kostbaren Gut verbrauchen wir in Deutschland 1/3 für die Klospülung.

    Der Autor Wolfgang Harlander hat hierzu einen realitätsnahen Roman “42
    Grad” – einen “Thriller über die große Dürre”, die uns
    höchstwahrscheinlich bevorsteht, geschrieben.
    Und wie bei “Corona” ist unser Staat auf so etwas überhaupt nicht
    vorbereitet !!! Will man vielleicht 80 Millionen Menschen mit
    Tanklastwagen versorgen ??? Und woher das viele Wasser nehmen. Es wird
    “Wasserflüchtlinge” geben und wenn es kein Wasser mehr gibt, kann es
    sogar zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen. Auch bei uns.

    Vor 12.000 Jahren endete bei uns die letzte Eiszeit. Bis dahin war es
    nur 4 Grad kälter als heute. Es war jedoch eine ganz andere Welt. Die
    Alpentäler waren voller Eis und Norddeutschland war bis Berlin
    vergletschert. Und sollte sich die Temperatur zu heute wieder um 4 °
    erhöhen – 1,5 ° haben wir schon bald erreicht – so ergibt sich erneut
    eine ganz andere Welt, als wir sie heute kennen. Ich will mir das gar
    nicht ausmalen.

    Roman Zimprich, 31.5.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*