PFAS – von der Wunder- zur Problemchemikalie Auch Mönchengladbach hat Probleme

PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die wasser-, fett- und schmutzabweisend sind und daher in vielen Produkten wie Textilien, Antihaft-Pfannen und Kosmetika eingesetzt werden. Sie werden als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, da sie in der Umwelt extrem schwer abbaubar sind, sich in Organismen und der Nahrungskette anreichern und gesundheitliche Risiken bergen können, darunter erhöhtes Krebsrisiko, Auswirkungen auf das Immunsystem und hormonelle Störungen.

Wo PFAS vorkommen

  • Industrielle Anwendungen: Viele industrielle Prozesse und Produkte verwenden PFAS wegen ihrer stabilen, wasserabweisenden Eigenschaften.
  • Verbraucherprodukte: Sie finden sich in alltäglichen Produkten, darunter Backpapier, Kleidung, Kosmetika und Imprägniersprays.
  • Umwelt und Nahrungskette: Aufgrund ihrer Langlebigkeit sind PFAS in der Umwelt weit verbreitet und können über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen.
  • Boden und Wasser: Sie können Böden und Wasser verunreinigen, was den Anbau von Lebensmitteln beeinträchtigen kann, und werden auch in alpinen Regionen gefunden.

Mögliche Gesundheitsrisiken

https://de.wikipedia.org/wiki/Per-_und_polyfluorierte_Alkylverbindungen
  • Störungen des Immunsystems: Verminderte Reaktion auf Impfungen.
  • Hormonelle Störungen: Beeinflussung der Schilddrüsenhormone und ein erhöhtes Diabetesrisiko.
  • Krebs: Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten wie Nieren- und Hodenkrebs.
  • Leberschäden und Cholesterin: Erhöhte Cholesterinwerte und mögliche Leberschäden.
  • Fortpflanzungsrisiken: Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit und erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.
  • Entwicklungseffekte: Einfluss auf die Entwicklung bei Kindern, einschließlich Übergewicht und frühere Pubertät.

Maßnahmen

  • Forschung und Politik: Die Forschung, Politik und Verwaltung setzen sich mit den Problemen von PFAS auseinander.
  • EU-Beschränkung: In der Europäischen Union gibt es ein geplantes, weitreichendes Verbot für PFAS, das jedoch langwierig ist und Ausnahmen vorsieht.
  • Derzeit müssen kontaminierte Böden und Wasser mit aufwendigen Filtertechniken gereinigt werden.

Situation in Mönchengladbach

Räumliche Verteilung der PFOA Konzentration in Giesenkirchen 2024
Was wir der Natur geben, gibt sie uns zurück.

Auch in Mönchengladbach gelangt die Ewigkeitschemikalie täglich über Dach- und Straßenabwässer, die Hauskanalisation, verarbeitende Gewerbebetriebe in die Umwelt, die Kläranlagen und ungefiltert in Flüsse und Grundwasser. Dort verbreiten sie sich ungehindert und bleiben dort. Wie lange, weiß niemand so genau. Aber es sind vermutlich Jahrhunderte. Wenn Politik, Industrie und Verbraucher mehrheitlich der Meinung sind, dass der Nutzen den Preis für Umwelt und Gesundheit wert ist, dann ist das so. Nur dumm, dass auch diejenigen, die das anders sehen, mit diesem Preis leben müssen.  Aber das gilt ja für alle Risiken, die der sog. Fortschritt mit sich bringt – auch für diejenigen, die nichts davon haben und nur daruner leiden.

Ende 2021 wurden im Umfeld einer Grundwassersanierung bedrohlich Konzentrationen von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) nachgewiesen, insbesondere von Perfluoroctansäure (PFOA). PFOA gilt als besonders gefährlich, da es als persistent, bioakkumulativ und toxisch („PBT“) eingestuft ist. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde PFOA in der EU seit dem 4. Juli 2020 gemäß der POP-Verordnung verboten.

Die Schadstofffahne liegt in der WSZ IIIA des Wasserwerks Hoppbruch und gefährdet neben der öffentlichen Trinkwasserversorgung auch die Nutzer privater Gartenbrunnen. Infolge der hohen Persistenz ist eine Anreicherung von PFOA im Oberböden durch Gießwasser wahrscheinlich.

In weiten Teilen Giesenkirchens z.B. ist das Brunnen- und Grundwasser auf absehbare Zeit nicht mehr nutzbar.

Ende 2025 wird ein weiterer Umweltskandal im benachbarten Viersen bekannt:

PFAS-Chemikalien im Trinkwasser: Verschwiegene Folgen eines Umweltskandals

 

image_pdfimage_print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert