Grundwasser in Gefahr

Vor zwei Jahren berichteten wir über die zunehmende Verunreinigung unseres Grundwassers mit Nitrat. Zur Zeit drängt die EU-Kommission die Bundesregierung, ihre Anstrengungen zum Schutz des Grundwassers zu verstärken und droht mit drastischen Strafen, falls nicht mehr geschieht als zur Zeit angeboten. Am 4. April wollen Bauern aus NRW, Hessen und Niedersachsen in Münster ihrem Unmut und ihrer Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft Luft machen. Landwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) hat ihre Teilnahme zugesagt und zeigt Verständnis. Wie geht es weiter? Wahrscheinlich wie gehabt:

Politische Akteure an der Quelle des Übels üben sich so lange im Nichtstun, bis die Sache eskaliert und andere Akteure ihnen das Heft aus der Hand nehmen. Dann drohen Klagewellen und Massenproteste, wie jüngst bei der Luft- und Wasserqualität in Sachen Feinstaub und NOx (Deutsche Umwelthilfe) sowie Nitratbelastung (EU-Kommission).

Dann sind in Politikeraugen plötzlich die Kläger Schuld und nicht etwa die politischen “Macher”, die umweltpolitisch gepennt haben.

So ist es auch in Mönchengladbach. Seit Jahrzehnten nimmt die Grundwasserbelastung mit Nitrat kontinuierlich zu. Freiwillige Vereinbahrungen zwischen Landwirtschaft und Wasserversorger haben daran nichts geändert.

Immer wieder wird von BürgerInnen berichtet, dass Tankzüge mit Gülle (sog. Wirtschaftsdünger) im Frühjahr an den Feldern im Stadtgebiet halten. Meistens spät abends oder früh morgens, wie jüngst wieder in Odenkirchen. Diese Gülle ist nicht unerheblich mit Keimen, Hormonen und Pestizidrückständen aus der Massentierhaltung belastet.

Massentierhaltung Deutschland ist die Toilette Europas heute-show vom 05.04.2019
https://www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/4_guelleimporte_niederlande.pdf
https://bund-mg.de/wp-content/uploads/2017/01/Nitratbelastung.jpg
https://bund-mg.de/wp-content/uploads/2018/03/Nitratmesstellen_MG.jpg

Wenn Boden, Pflanzen und Mikroorganismen die zugeführten Nähr- und Schadstoffe aufnehmen, umsetzen und unschädlich machen, wie von der Landwirtschaft oft behauptet, können sie eigentlich nicht im Grund- und Oberflächenwasser, etwa in der Niers, auftreten. Tun sie aber, wie der Gewässergütebericht 2017 des Niersverbandes deutlich zeigt – und zwar in erheblichem Maße:

JD-UQN = Jahresdurchschnitt der Umweltqualitätsnorm gem. Anlage 9 der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (Oberflächengewässerverordnung – OGewV)

Nicht wenige der nachgewiesenen Pestizide gelten, zumindest im Tierversuch, als mutagen oder krebserreged.

Aber auch der Eintrag von Keimen aus der Gülle, von denen etliche inzwischen multiresistent gegen gängige Antibiotika sind (besonders gefährlich bei der Verwenung von Oberflchenwasser bei der Bewässerung von Gemüsekulturen) bereitet Medizinern weltweit große Sorgen.

Auch Bäche und Seen in und um Mönchengladbach sind betroffen.

Was ist zu tun?

  1. Zunächst einmal muss sichergestellt sein, dass die schon recht laschen Umweltgesetzte zur Düngung auch eingehalten werden (Verbringensverordnung (WDüngV) von 2010, Wirtschaftsdüngernachweisverordnung (WDüngNachwV) ab 2013, Düngegesetz (DünG), Düngeverordnung (DüV)). Die Vielfalt an Gesetzen und Verordnungen täuscht, wie so oft, politischen Aktionismus und Willen vor, der aber, wie so oft, an der Kontrolle und Durchsetzung scheitert.

Zuständig für die Kontrolle ist die Landwirtschaftskammer NRW mit Sitz in Köln, deren Möglichkeiten jedoch beschränkt sind auf mehr oder minder freiwillige Angaben der Gülle-Exporteure und Gülle-Nutzer sowie Hinweise und Anzeige von aufmerksamen BürgerInnen und Behörden vor Ort. Dies zeigt auch die Antwort der zuständigen Landwirtschaftskammer NW in Münster auf eine Anfrage des BUND zur Gülle-Situation in Mönchengladbach vom April dieses Jahres.

  1. Die bisherige konventionelle Landwirtschaft und die Verbrauchererwartung von Qualität zu niedrigem Preis hat in die Sackgasse geführt. Billig bedeutet Massentierhaltung mit Gülle im Übermaß, bedeutet Hormoneinsatz in medizinisch unverantwortbarer Dimension („Resistenzen“), bedeutet Pestizid­einsatz zum Schaden von Mensch und Natur. Einen Ausweg bietet nur eine umweltverträgliche, ökologische und nachhaltige Landwirtschaft. Das ist selbst den meisten Politikern klar. Man muss nur den Mut haben, die zunächst hohen Hürden, Unannehmlichkeiten, Proteste und auch Kosten durchzustehen. Das war bei der Energiewende nicht anders. Jetzt ist dort (fast) jedem klar: Ein Zurück gibt es nicht mehr.

Abb.: Anteil der Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland für Nahrungs­mittel, Getränke und Tabakwaren an den Konsum­ausgaben in den Jahren 1850 bis 2018

  1. Aber auch die Kommune (Politik) vor Ort kann einiges tun, wie folgende Beispiele zeigen:

„Mit 15:4 Stimmen entschied der Laufener Stadtrat am Dienstag, dass bei der Neuverpachtung landwirtschaftlicher Flächen, die der Stadt gehören, künftig nur noch Biolandwirte zum Zug kommen sollen. Allerdings ist Laufens Anteil an landwirtschaftlichen Flächen “äußerst überschaubar”, so Geschäftsleiter Christian Reiter. Die Fläche bemisst sich wohl nicht mal auf einen Hektar.

Sollte sich bei einer Neuverpachtung kein Bio-Bauer finden, wird zumindest die Auflage gemacht, dass Pestizide nicht eingesetzt werden dürfen. Laufen ist Mitglied der Ökomodellregion “Waginger See – Rupertiwinkel”, in der man sich einen 20-Prozent-Bio-Anteil an der Landwirtschaft zum Ziel gesetzt hat. Mit dem Beschluss ist man hier einen Schritt weiter vorwärts gekommen. Zum Vergleich: Im Landkreis Traunstein werden aktuell 85 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen konventionell bearbeitet.“ https://www.bgland24.de/bgland/rupertiwinkel/laufen-ort478592/laufen-kommunale-landwirtschaftsflaechen-noch-bio-bauern-10084622.html

  1. Pestizidfreie Kommunen
    https://www.bund.net/umweltgifte/pestizide/pestizidfreie-kommune/
    • In Neuss gilt mit Beschluss von 2019 ein Glyphosatverbot für in städtischem Besitz befindliche Grünflächen, Parks und Sportplätze. Bei Verlängerung verpachteter landwirtschaftlicher Flächen wird der Verzicht auf Glyphosat in den Vertrag aufgenommen. Zusätzlich sollen Pächter Blüh- oder Bracheflächen anlegen. Mit Anlage der Flächen soll ein Biotopverbund über die Äcker entstehen
    • Krefeld verzichtet auf Pestizide. Ausnahmen sind Mittel gegen den Riesenbärenklau und den Eichenprozessionsspinner. Schon seit 1988 wird bei der Pflege kein Glyphosat eingesetzt. Alternativen Maßnahmen: Thermische + mechanische Verfahren.
    • Düsseldorf ist seit 1990 Pestizidfrei! Seit 2014 gibt es dazu auch einen offiziellen Beschluss. Ausnahmen: Eichenprozessionsspinner (nur in begründeten Fällen), Pilze am Buchsbaum, Buchsbaumzünsler (nur in historischen Parkanlagen an wenigen Stellen)
    • In Köln werden seit den 1990er Jahren keine Pestizide eingesetzt. Es erfolgt ausschließlich mechanische und manuelle Bearbeitung
    • Und Mönchengladbach? Nicht dabei!

Rechtliches

 

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