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Der Hellbach ein Kleinod unter den geschützten Feuchtgebieten in Mönchengladbach

Der Hellbach in Mönchengladbach ist ein Quellbach im Naturschutzgebiet Knippertzbachtal nördlich des ehemaligen NATO-Hauptquartiers (JHQ) in Rheindahlen. Das Gebiet zeichnet sich durch Schichtquellen aus und beherbergt seltene Arten wie den Dreiecksstrudelwurm und die Zweigestreifte Quelljungfer. Es ist ein bedeutender Naturraum zwischen Mönchengladbach und dem Kreis Viersen.
In Viersen und Umgebung treten Schichtquellen dort auf, wo wasserführende Schichten (Kiese und Sande der Hauptterrassen) auf wasserstauenden Schichten wie dem Reuverton liegen.

Der Reuverton ist eine markante, tonige Schicht aus dem Pliozän, die im Raum Viersen und auf dem Süchtelner Höhenzug als natürlicher Grundwasserstauer fungiert.

Da Ton kaum wasserdurchlässig ist, sammelt sich das versickernde Regenwasser oberhalb dieser Schicht an. Wenn die Tonschicht an Geländekanten oder Hängen zu Tage tritt, tritt das gestaute Wasser als Schichtquelle aus.

Der Hellbach beginnt nördlich des ehemaligen JHQ am ehemaligen Wasserwerk, das 2025 abgerissen wurde. Zunächst in Beton-Sohlschalenbeginnt der natürliche Bachlauf nach ca. 700 m dort, wo der Reuverton im Untergrund beginnt.

Hier liegen dann auch die ersten Schichtquellen, die den Bach von da an begleiten und mit Sickerwasser aus der 3-4 m mächtigen Kies-/Sand der höher gelegenen jüngeren Hauptterrasse der Venloer Scholle auf Viersener Gebiet speisen.

Der Übergang von den Sanden und Kiesen der Hauptterrasse zum wasserstauenden Reuverton mit seinen Quellaustritten ist im Gelände sehr gut erkennbar und scharf ausgebildet. Oberhalb im Hang stockt ein Buchenwald mit zahlreichen alten, mehrschäftigen Buchen, was auf die Nutzung als Brennholzlieferant noch bis in die 50er Jahre hindeutet (sog. „Schneitelbuchen“). Die Strauch- und Krautschicht ist unter den Buchen nur spärlich ausgebildet.

Dann wird es durch die zahlreichen Quellaustritte an der Oberkante des Tons nass und die Vegetation wechselt schlagartig zu einer Sumpf- und Quellflur mit auffälligen Torfmoospolstern.

Hier und da findet man an dieser Kante rechteckige Tümpel von etwa 2-3 x 4-5 m Grundriss. Hierbei handelt es sich um ehemalige „Flächsrösten“, in denen noch bis ins 20. Jahrhundert hinein die Flachsbündel zum Faulen eingelegt wurden, bis schließlich die langen Fasern im Innern frei lagen, die dann weiter bis zum Leinen verarbeitet wurden.

Solche Flachsrösten findet man in Resten im Westen des Stadtgebiets überall dort, wo das Wasser nahe der Bodenoberfläche steht, z.B. Bei Genhülsen (Viehstraße), Bist- und Großheide, Wickrather, Gerkerather und Buchholzer Wald. Alle Flachsgruben sind geschützt Bodendenkmäler.

 

Schon nach knapp 2 km mündet der Hellbach in den Knippertzbach, der seinerseits in die Schwalm und diese letztlich in die Maas mündet.

Relativ intakte Erlen-/Birkenbruchwälder wie hier am Hell- und Knippertzbach sind inzwischen landesweit nur noch selten zu finden und stehen daher fast immer unter Naturschutz. Knip-pertz- und Hellbach unterliegen der höchsten Schutzkategorie, die Deutschland/Europa zu bieten hat: es sind sog. FFH-(Fauna-Flora-Habitat-) bzw. Natura2000-Gebiete, in denen Maßnahmen, die negative Beeinflussungen zur Folge haben könnten, strengstens untersagt sind.

Die umfasst auch einen 300 m breiten Schutzstreifen außerhalb des eigentlichen Schutzgebietes, was hier aufgrund des rel. schmalen Schutzgebietes unbedingt sinnvoll ist.

Die Seltenheit von intakten Erlenbruchwäldern (Alnetum glutinosae) hat ihre Ursache darin, dass sie sehr empfindlich gegen Veränderungen des Wasserhaushaltes sind. Die Erle ist aufgrund ihrer Anatomie in der Lage, auch ganzjährig (und nicht nur bei Überschwemmun-gen im Frühjahr wie die sog. Auenwälder) mit ihren Wurzeln im fast sauerstoffreien Wasser stehen zu können, ohne abzusterben. In dem modrigen Wasser mit dem vielen Falllaub der Erlen verrottet das organische Material nur langsam, so dass sich hier eine mehrere Dezimeter dicke Schicht aus sogenanntem Niedermoortorf bildet.

Neben der Erle dominiert hier die Sumpfsegge (Carex acutiformis) flächendeckend, was dem Erlenwald im Sommer ein recht monotones Bild verleiht (ganz im Gegensatz zu einem Auenwald).

Begleitet wird sie hier und da von Faulbaum (Frangula alnus): Ohr-Weide (Salix aurita), Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Rispensegge (Carex paniculata – bildet oft markante Horste), Sumpf-Farn (Thelypteris palustris), Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara) und an besonnteren Stellen auch Schilf (Phragmites australis), daneben Torfmoose (Sphagnum spp).

Die Krautschicht ist oft lückig, da die ständige Nässe und der hohe Wasserstand die Zersetzung von Laub erschweren und nur spezialisierten Arten das Wachstum ermöglichen.

Vegetationsaufnahme aus:

ÖKOLOGGISCHE UND SOZIOLOGISCHE UNTERSUCHUNGEN AN ERLENWÄLDERN IM NATURPARK SCHWALM-NETTE
Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt Sekundarstufe II
Sabine RÜTTEN, Köln 1983

Sinkt der Wasserstand, z.B. durch klima- oder sümpfungsbedingte Absenkung des Wasserspiegels oder durch Entwässerungsmaßnahmen der Forstwirtschaft wegen, dann halten zwar die Erlen durch, aber die typische Krautschicht verschwindet langsam, was sich durch das Einwandern von z.B. Brennnesseln, Springkraut und Brombeeren ankündigt. Das Torfmoos geht leicht zurück, was am Hell- und Knippertzbach durch das Monitoring des Erftverbandes nachgewiesen ist.

Wenn umgekehrt der Wasserspiegel plötzlich und auf Dauer erheblich steigt, vertragen das auch die Erlen nicht mehr und sterben ab. Aus der Krautschicht werden dann offene Wasser- und Schilfflächen. Das ist zur Zeit am Knippertz- und Hellbach, am Mühlenbach und anderen Bachtälern an Schwalm und Niers zu beobachten, wo sich seit wenigen Jahren der Biber breit macht. Das kann man bedauern, muss es aber nicht. Die nun entstehenden Flächen sind ebenfalls rar in NRW, stehen unter Naturschutz – ebenso wie der Biber selbst.

Wäre der Biber nicht da, stünden die Erlenbruchwälder ohnehin unter einem schlechten Stern. Der Klimawandel mit den langen Hitze- und Trockenperioden zur Hauptvegetationszeit macht ihnen schwer zu schaffen.

Das zeigen die Vegetationsaufnahmen, die der Erftverband seit Jahren im sog. Monitoring Garzweiler II durchführt und verfolgt, um sicherzustellen, dass die Ersatzwasserinfiltrationen in der Nähe der Feuchtgebiete auch Wirkung zeigen. Im Bereich der tagebaufernen Schwalm und seiner Zuflüsse gelingt das bisher auch rel. gut, im Bereich der Niers weniger. Die „Rettung“ des Finkenberger Bruchs mit seiner ursprünglichen Vegetation mittels künstlicher Vernässung wurde inzwischen aufgegeben.

Auch für die Naturschutzgebiete Wetscheweller und Güdderather Bruch sieht es nicht gut aus.

Umso wichtiger ist es, noch intakte Feuchtgebiete zu erhalten. Nicht nur aus diesem Grund sieht der BUND eine Wieder-Nutzung des ehemaligen JHQ, das von den FFH-Gebieten umschlossen wird, äußerst kritisch, egal ob durch Gewerbeansiedlung, Kasernen oder sonstige intensive Nutzungen.

Eine Arrondierung der schmalen Schutzgebiete durch Flächen außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende und der geplanten Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige wäre eine ideale Nutzung.

Hierfür ließen sich Fördergelder im Rahmen der EFRE/JTF-Förderung (Grüne Infrastruktur) einbringen. Das Land NRW und die EU stellen Mittel bereit, um Flächen im Revier na-turnah aufzuwerten und funktional miteinander zu verbinden.

Für ein u.a. vom BUND in Auftrag gegebenes Biotopverbundkonzept wäre das JHQ mit seinen umgebenden FFH-Gebieten ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Hierfür zeichnet das Land NRW und der Bund zuständig, die dafür die Planungshoheit haben.

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