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Was wird aus dem JHQ? Machbarkeitsstudie schafft Klarheit

Die jahrelange Hängepartie zum weiteren Schiksal des JHQ scheint vorbei. Eine überarbeitete Machbarkeitsstudie, die seit April vorliegt, zeigt, was gewünscht und was rechtlich machbar ist.

Erstellt hat sie die die NRW.Urban, die Stadt und Land für Aufgaben der Flächenaktivierung, Bauland- und Stadtentwicklung inklusive Ingenieurdienstleistungen als Partnerin zur Seite steht – eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Landes NRW. In Abstimmung mit dem Bund (als Flächeneigentümer), dem Land NRW und der Stadt als Planungsträger wird auf über 50 Seiten detailliert und nachvollziehbar dargelegt, was gewünscht und was machbar ist.

Dabei wurde dem Wunsch der Bundesregierung nach Kasernenstandorten überall dort, wo es möglich und sinnvoll ist, Rechnung getragen. Das führte dazu, das die ursprüngliche Studie, die die Ansiedlung von Gewerbe näher untersuchte, ad acta gelegt wurde und jetzt nur noch als Anlage beigefügt ist.

Weiterhin fest verankert in der Planung sind die Erstaufnaheeinrichtung für AsylbewerberInnen (AEA), die Übungsflächen für Landespolizei und Zoll im Osten sowie eine Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige UEA), oft kurz als Abschiebegefängnis betitelt, ganz im Westen des Areals.

Der Rest, außerhalb der FFH-Schutzgebiete und ihres Schutzstreifens, ist potentielle Bundeswehrfläche, über deren genaues Ausmaß ud Ausgestaltung noch Unklarheit herrscht. Probleme macht dabei vor allem die im Regionalplan (noch) festgestezte Vorrangfläche für Windenergieanlagen, die Abstandsflächen vorsieht, an die sich auch die Bundeswehr halten muss, wenn es etwa um Wohnunterkünfte geht.

Die Breitflügelfledermus steht unter Naturchutz

Erfreulich ist, dass die Machbarkeitsstudie recht detailliert und ausführlich auf das Naturpotential in dem Gebiet, dass seit vielen Jahren der Natur überlassen blieb, eingeht. Was sie dort kartierte und fand, lässt das Herz von Naturfreunden höher schlagen. Viele seltene und sogenannte planungsrelevante Arten, auf die besonders Rücksicht zu nehmen ist, sind darunter.

Die Studie legt auch detailliert und fachkundig dar, was getan werden muss, um diese Arten zu schützen und Beeinträchtigungen während Bau und Betrieb der vorgesehenen Anlagen zu gewährleisten.

Wenn diese vorgeschlagenen Vermeidungs-, Minderungs- und Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz zum Tragen kommen, sind die vorgesehenen Anlagen laut Studie machbar und rechtssicher.

Was wird nun geschehen? Am Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung im Norden des JHQ wird sich nichts ändern, ebenso wenig am Übungsgelände der Landespolizei, die mit dem benachbarten Zoll kooperiert.

Leer stehende Gebäude sind ein Paradies für viele Fledermäuse. Sieben Arten kommen hier vor!

Was mit dem übrigen potentiellen Bundeswehr-Gelände passiert, steht in den Sternen. Die bestehenden Gebäude sind in der Mehrzahl nicht mehr nutzbar, müssten abgerissen und entsorgt werden. Das wird teuer, sehr teuer, denn es handelt sich vielfach um asbestbelasteten Sondermüll. Die gesamte Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Strom, Heizung..) muss neu geschaffen werden. Alleine die Planungen und Genehmigungen dafür dauern Jahre, von der Umsetzung ganz abgesehen.

Auch das, was zwischenzeitlich politisch in Deutschland, Europa und der Welt passiert, ist offen und gibt wenig Anlass zum Optimismus. Dennoch wäre eine Wette darauf, dass in 20 Jahren im JHQ ein neuer, großer Kasernenstandort existiert, riskant.

Vielleicht wird daraus ja auch ein Dorado für Naturfotografen und Liebhaber von lost places.  Das wäre die kostengünstigste und umweltverträglichste Variante, so viel ist sicher.

 

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