Ein Biotopverbundkonzept für das Rheinische Revier
„Leitentscheidung 2023“ der Landesregierung (beschlossen am 19.09.2023)
In der „Leitentscheidung 2023“ der Landesregierung (beschlossen am 19.09.2023) heißt es auf S. 22ff. im Entscheidungssatz 4: Neue Räume für nachhaltige Entwicklungen
»(1) Die Bergbaufolgelandschaft und die angrenzenden Konversionsflächen im Nordrevier sind als vielfältiger Zukunftsraum zu entwickeln. Es soll hier insbesondere eine nachhaltige und raumverträgliche Entwicklung erfolgen für […] einen Ökosystemverbund im Rheinischen Re-vier, der insbesondere aus einem Verbundsystem von Flächen sowie Trittsteinbiotopen und Ver-tragsnaturschutzflächen (mit Gewässern, Offen- und Halboffenen und Waldbereichen) entsteht und zu dem landesgesetzlichen Ziel eines durchgängigen Biotopverbunds auf 15% der Landes-fläche substanziell beiträgt […]«.
In den folgenden Erläuterungen heißt es:
»Nach § 35 des Landesnaturschutzgesetzes ist für Nordrhein-Westfalen ein Netz räumlich oder funktional verbundener Biotope (Biotopverbund) auf 15 % der Landesfläche vorgesehen. Im Rheinischen Revier soll mit Gewässern, Offen- und Halboffenland sowie Waldbereichen ein Ökosystemverbund entstehen und in diesem Rahmen einen substanziellen Beitrag zur Errei-chung des landesgesetzlich festgelegten Ziels der Schaffung eines Biotopverbundes auf 15 % der Landesfläche geleistet werden, auch vor dem Hintergrund der Bestrebungen auf globaler Ebene im Rahmen der Vereinbarung von Montreal.
Der Erhalt und die Wiederherstellung einer intakten ökologischen Umwelt sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Strukturwandel im Rheinischen Revier. Intakte Ökosysteme und Klimaresi-lienz stellen einen wichtigen Standortfaktor für die Region dar. Ein entsprechender Verbund dient der Erhaltung und der Wiederherstellung der Biodiversität und umfasst ein Netz räumlich oder funktional verbundener Biotope. Hierzu gehören auch Flächen, Strukturen und Verbundelemente wie Landschaftsschutzgebiete, produktionsintegrierte Maßnahmen, Blühstreifen, Hecken u.a., die insbesondere zur Vernetzung im Offenland beitragen, aber eine ordnungsgemäße Landwirtschaft nicht einschränken.«
Der Ausstieg aus der Kohleverstromung bedeutet für das Rheinische Revier eine große Herausforderung und eine Jahrhundertchance, für die sich die gesamte Region neu aufstellt.
Der Anspruch bei dem jetzt eingeleiteten Strukturwandel ist, das Rheinische Revier zu einer Modellre-gion für den Umbau einer ehemaligen Kohleregion zu machen und eine neue regionale Identität zu schaffen. Nur mit der dauerhaften Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen als Basis nachhaltiger Regionalentwicklung kann eine integrierte Region für nachhaltiges Wirtschaften, Ressourcenschutz und Biodiversität entwickelt werden.
Schon jetzt ist absehbar, dass die für den Strukturwandel im Rheinischen Revier vorgesehenen neuen Gewerbegebiete, neuen Siedlungsbereiche und damit verbundenen Infrastrukturmaßnahmen den Druck auf die verfügbaren Flächen weiter erhöhen. Dem Interesse, Flächen für die genannten Nutzungen (pla-nerisch und praktisch) auszuweisen, stehen die übergreifende Perspektive der notwendigen und dauerhaften Flächensicherung für Natur und Landschaft und das Ziel, eine weitere Zerschneidung, Verinselung und Zerstückelung von insbesondere wertvollen Offenlandflächen zu vermeiden, gegenüber.
Dafür schlagen die anerkannten Naturschutzverbände in Nordrhein-Westfalen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt Nord-rhein-Westfalen e.V. (LNU) und Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) die Etablierung eines revierweiten Biotopverbundsystems vor: Es umfasst die Festlegung eines zusammenhängenden Freiraumsystems aus Schutzgebieten, aus ungenutzten und ökologisch genutzten Landschaftsbe-standteilen, aus ehemaligen Tagebauflächen.
Es soll ein Netzwerk aus unterschiedlichsten Lebensräumen wie beispielsweise Wäldern, Offenlandha-bitaten, urbanem Grün und Gewässern geschaffen werden. Diese grün-blaue Infrastruktur soll zum ökologischen Rückgrat des Rheinischen Reviers und des Strukturwandels werden.
Das Grundlagenkonzept Biotopverbundsystem für das Rheinische Revier soll Ziele und Maßnahmen insbesondere aus der Biodiversitätsstrategie Nordrhein-Westfalen, dem Landesnaturschutzgesetz Nord-rhein-Westfalen, der Braunkohle-Leitentscheidung für das Rheinische Revier sowie der Klimaanpas-sungsstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen und der UN Sustainable Development Goals beziehen.
Der § 35 des Gesetzes zum Schutz der Natur in Nordrhein-Westfalen (Landesnaturschutzgesetz – LNatSchG NRW) gibt die Zielmarke für die Umsetzung eines Biotopverbundsystems mit „15 % der Landesfläche“ vor.
Der Landesentwicklungsplan wie auch die Klimaanpassungsstrategie des Landes NRW beziehen sich ebenfalls durchgängig auf den Erhalt der natürlichen und landwirtschaftlichen Flächen, die notwendige Vernetzung dieser Offenlandflächen und einen möglichst gering zu haltenden, weiteren Flächenverbrauch.
Mit dem „Grundlagenkonzept Biotopverbund Rheinisches Revier“ soll die Artenvielfalt im Rheinischen Revier geschützt und erhöht werden. Einzelne Bereiche werden miteinander verbunden, so dass ein größtmöglicher zusammenhängender Lebensraum für Tiere und Pflanzen entsteht.
- Kurzzusammenfassung
- Bericht zum Projekt „Ein Biotopverbundkonzept für das Rheinische Revier“ (Langfassung, 220 Seiten)
Karten:
- Karte 1: Integrierter Biotopverbund
- Karte 2: Grundlagenkarte
- Karte 3: Biotopverbundflächenvorschläge
- Karte 4: Kern- und Verbundflächen

- https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/im-fokus/biotopverbund-rheinisches-revier/
- https://www.rheinisches-revier.de/service/neuigkeiten/detail/foerderangebot-oekosystemverbund-rheinisches-revier
Dreh- und Angelpunkt für einen Biotopverbund, der die FFH-Gebiete der Schwalmniederung im Naturpark Schwalm-Nette (Kreis Viersen) mit der Niersniederung und dem Areal des Tagesbau-Restsees verbindet, ist der westliche Teil des JHQ mit den FFH-Gebieten Knippertz- und Hellbach, dem Mühlenbach und dem ehemaligen Militärkrankenhaus dazwischen.
Dafür sollte man sich in Mönchengladbach von den Phantastereien eines Gewerbegebietes im JHQ mit all seinen Infrastruktur-, Erschließungs- und Grundwasserproblemen verabschieden und die Fördermittel aus dem Strukturfonds für ein effektives Biotop-Verbundsystem in Anspruch nehmen, das den Landschaftsraum im Südwesten Mönchengladbachs erheblich aufwerten würde.